Palmlattenbinden

Von der Lebendigkeit am Palmsonntag

„Wir dürfen mit dankbarer Freude auf ein gelungenes Fest zurückblicken“, resümiert unsere Pfarrkuratorin Christine Neuner. Das Fest „Palmlatten- und Palmbuschenbinden“ findet alljährlich am Inzinger Kirchplatz am Samstag vor dem Palmsonntag statt. Sonja Afritsch-Zagrajsek übernahm 2012 die Leitung der Veranstaltung vom Arbeitskreis Ehe und Familie. Seither ist sie mit Leib und Seele dabei. Im Vordergrund steht für sie, Kindern die Tradition zu vermitteln. „Für mich persönlich ist es das Schönste, wenn ich sehe, wie zufrieden und glücklich die Kinder sich mit ihren selbstgestalteten Buschn und ihren dankbaren Eltern auf den Heimweg machen.“, erzählt sie beim Interview.

Mit dem Fest „Palmlatten- und Palmbuschenbinden“ beginnt in Inzing eine gemeinsame Zeit des Feierns und der Zusammenkunft für Familien und die Pfarrgemeinde. Es ist eine Vorbereitung auf den anschließenden Palmsonntag, an dem die Menschen ihrer Verbundenheit zum christlichen Glauben in Freude Ausdruck verleihen und gleichzeitig der Leidensgeschichte Jesu gedenken. Sie bereiten sich auf die bevorstehende Karwoche vor, die mit Ostern den Höhepunkt des liturgischen Jahres darstellt.

Ein paar Stunden vor dem Fest stellen Sonja und ihre HelferInnen Tische auf, das Material wird in Kisten verteilt, die Küche für den großen Ansturm aufs Palmbrezenbacken vorbereitet und eine Kinderschminkstation hergerichtet. Kisten voller Bänder, Draht, Scheren in jeglicher Ausführung, Haselstecken, Heidekraut, Buchsbaum, Palmkätzchen-, Oliven-, Eiben- und Wacholderbaumzweige warten ordentlich arrangiert auf den großen Ansturm. Ebenso wie die MinistrantenInnen, die mit einem reichen Buffett die Besucher und Besucherinnen mit Kuchen verwöhnen werden. Und flugs füllen sich Kirchplatz und Widum mit fröhlichen Kindern und ihren Begleitpersonen, die alle begeistert mit der Gestaltung ihrer Palmlatten und -buschen beginnen. Dies findet unter viel Gelächter, Austausch und gegenseitiger Hilfe statt. Nichts bleibt wo es war, es herrscht ausgelassenes kreatives Chaos. Was entsteht, sind die verschiedensten Arten von Palmbuschen und Palmlatten, die in ihrem bunten Gesamtbild große Herzensfreude bereiten.

Schon Wochen vorher beginnen für das Team rund um Sonja die Vorbereitungen: Palmkätzchen und Heidekraut sammeln, Haselstecken und Grünzeug besorgen. Pfarrkuratorin Christine Neuner sieht in der Zusammenarbeit der vielen HelferInnen eine unglaubliche Bereicherung für das Pfarr- und Gemeinde-Leben: „So viele Stellen arbeiten da zusammen, dem gilt es, eine große Wertschätzung entgegenzubringen. Wir als Pfarre möchten uns von ganzem Herzen bei Sonja und bei allen aus Gemeinde und Pfarre bedanken, die immer so fleißig mithelfen, damit das Fest gelingt.“

Symbole des Palmsonntags

Das Palmlattenbinden hat nicht nur in Tirol eine lange Tradition. Sie ist Ausdruck der Feierlichkeiten für den Palmsonntag, dem Tag an dem Jesus in Jerusalem auf einem Esel einzog und mit Palmzweigen begrüßt wurde, während ihm bunte Kleidung auf der Straße den Weg bereitete. Da in Tirol aufgrund der geografischen Lage keine echten Palmzweige zu finden sind, werden die Palmlatten aus heimischen Materialien wie Weidenzweige, Buchsbaum, Wacholderbaumzweige und Heidekraut gebunden. Zur Verzierung der kunstvollen Gebinde dienen Blumen, bunte Bänder und Palmbrezn. Während der Prozession am Palmsonntag werden die Palmlatten und Palmbuschen getragen oder in der Kirche aufgestellt und dann gesegnet.

In Inzing wird der Palmsonntag mit besonderer Hingabe und Tradition gefeiert, die mit dem Palmlatten- und Palmbuschenbinden, besonders die Kinder in den Fokus rückt. In der künstlerisch-handwerklichen Vorbereitung wird freudige Erwartung begreiflich. Dann, mit der Präsentation der selbstangefertigten Handwerkskunst am Palmsonntag, werden die Kinder lebendiger Teil von Jesu Leben, Teil seiner Geschichte; damit wird ihnen eine persönliche Verbindung zu ihrem Glauben ermöglicht. Zuhause finden Buschen und gesegnete Ölzweige ihren Platz meist am Herrgottswinkel, um als Zeichen des Lebens und der Hoffnung ein Jahr zu verweilen.

Für alle Gläubigen markiert der Palmsonntag den Beginn der heiligen Woche, die in Inzing von alten Traditionen und örtlichen Gebräuchen sehr geprägt ist. Eine Woche, zu der wir unsere gesamte Pfarrgemeinde, Kinder wie Erwachsene herzlich einladen möchten.

 

Text: Angela Pargger

Fotos: Angela Pargger, Sonja Zagrajsek-Afritsch